Abschluss des ERASMUS-Projektes „Menschenrechte schützen – Verantwortung übernehmen“ in Belgien. 

Vom 19.5. bis zum 25.5.2025 trafen sich die sechs teilnehmenden Schulen aus Polen, den Niederlanden, Belgien und Deutschland ein letztes Mal für den Abschluss des mehrjährigen ERASMUS+-Projektes in Belgien. 

Nach einer zum Teil turbulenten und langen Anfahrt, fand der erste Tag in Eupen, im Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft statt. Nach dem wichtigen Kennenlernen, gab es Workshops zum Thema Demokratie. Außerdem wurde über die spezielle und manchmal auch komplizierte politische Situation Belgiens gesprochen. So hat Belgien drei Amtssprachen: neben Französisch, was vor allem in der Wallonie gesprochen wird und Flämisch, in Flandern, gibt es eine kleine deutschsprachige Gemeinschaft innerhalb der größeren Region der Wallonie, welche nahe der deutschen Grenze liegt. 

Mit dem Zug ging es abends gemeinsam in Belgiens Hauptstadt Brüssel. Nach dem ersten Kulturschock erlebten die Schülerinnen und Schüler die Stadt als zwar laut und voll, aber vor allem als spannend und vielfältige. Denn Brüssel hat nicht nur – mit Flämisch und Französisch – zwei Amtssprachen, sondern ist auch durch den Sitz des Europäischen Parlaments und anderen Einrichtungen der Europäischen Union sowie Einwohnern, die aus fast allen Ländern der Welt stammen, eine vielfältige Stadt. Deshalb stand das Projekt in Brüssel unter dem Titel „Europa – Vielfalt erleben“. 


Nachdem die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Parlamentarium, dem Besucherzentrum des Europäischen Parlaments, die Geschichte und Arbeitsweise der Europäischen Union kennengelernt haben, ging es ins Haus der Europäischen Geschichte. Dort arbeiteten nach Ländern geteilte Gruppen auf einem Stockwerk und gaben ihre Erkenntnisse schließlich den anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern weiter. Das Museum zeigt länderübergreifend die wichtigsten historischen Ereignisse, die Europa geeint und getrennt haben, und dass sich die europäische Gesellschaft ähnlich entwickelt hat.  

Am folgenden Tag war die Migration das wichtige Thema. Bevor sie im Migrationsmuseum persönliche Schicksale von Menschen kennenlernten, die als Migranten nach Belgien kamen, dachten die Schülerinnen und Schüler über Migration in ihrer eigenen Familiengeschichte nach, was zu spannenden Diskussionen führte. Beispielsweise fanden es Schülerinnen, die in den Niederlanden zur Schule gehen, aber eigentlich Deutsche sind, schwierig sich vorzustellen, dass sie oder ihre Eltern ja auch Migranten sind. Auch die Arbeitsaufträge beschäftigten sich mit dem persönlichen Schicksal von ganz unterschiedlichen Menschen, die als Migranten nach Belgien kamen.

Am Nachmittag ging es in den Belgischen Senat, in dem ein Mitarbeiter der Europäischen Kommission über seine Tätigkeit sprach, was die Arbeit der Europäischen Union wieder nahbarer erscheinen ließ. 

Auch der darauffolgende Tag stand unter dem Thema Migration im Zusammenspiel mit Religion. Nach einem Stadtspiel mit dem Thema Vielfalt und Religion bei dem die Schülerinnen und Schüler selbstständig verschiedene religiöse Einrichtungen in Brüssel ablaufen und dazu Aufgaben lösen durften, fand ein Workshop zum Thema Migration und Religion im House of Compassion, einer beeindruckenden, umgenutzten Beginenkirche, statt. Dieser auf Englisch stattfindende Workshop zeigte eindrucksvoll ganz unterschiedliche Anlässe zu migrieren.

Der letzte Tag begann wieder mit einem Stadtspiel – diesmal zum Thema belgische Kolonialgeschichte und endete mit einem Videodreh der Schülerinnen und Schüler, der das Projekttreffen resümierte. 

Bei dem Stadtspiel haben die Lehrkräfte des Projekts an verschiedenen Statuen zum Thema Kolonialgeschichte mit den Schülerinnen und Schülern über diese Statuen diskutiert. Beispielsweise darüber, ob es richtig ist, dass die Statue  des kongolesischen Künstler Freddy Tsimba auf dem Foto (s.u.) lediglich im sogenannten afrikanischen Viertel Brüssels steht, es aber von König Leopold II., in dessen persönlichen Besitz die Kolonie Kongo war, imposante Bildnisse an frequentierten Plätzen in Brüssel gibt. Auch fiel bei der Betrachtung der Kolonialgeschichte im Allgemeinen auf, dass diese bei allen Schülerinnen und Schülern bisher kaum Thema im Unterricht war. 

Die Schülerinnen und Schüler haben viel über die Vielfalt in Brüssel und die Arbeit der Europäischen Union gelernt. Das Wichtigste war aber wieder der internationale Austausch unter den Jugendlichen und das generelle Kennenlernen und Verstehen unterschiedlicher Kulturen.

(Fotos: Tabea Sethmann)